Der Frühling lockt uns und unsere Hunde in die Natur. Doch Vorsicht: In vielen Regionen der Schweiz ist der Eichenprozessionsspinner wieder aktiv und birgt Risiken für Tiere und Menschen. Die unscheinbaren Raupen, die sich in einer «Prozession» fortbewegen, sind zwar leicht zu erkennen, aber ihre Brennhaare können unangenehme Folgen haben, besonders für neugierige Hunde. Erfahre in diesem Blogartikel mehr darüber.
Was sind Eichenprozessionsspinner?
Die kleinen, behaarten Raupen bewegen sich häufig in langen Reihen wie in einer Prozession fort. Von dort kommt auch ihr Name. Der Eichenprozessionsspinner gehört zur Familie der Zahnspinner und war ursprünglich in Südeuropa beheimatet. Durch den Klimawandel hat er sich jedoch stark ausgebreitet und ist heute in der ganzen Schweiz anzutreffen, vom Mittelland bis in tiefer gelegene Alpentäler.
Wie der Name schon sagt, leben die Raupen bevorzugt auf Eichen, können aber auch andere Baumarten befallen. Besonders häufig findet man sie an Waldrändern, in Naherholungsgebieten, entlang von Spazier- und Fahrradwegen oder in Parks, auf Schularealen und Friedhöfen. Ihre Nester, dichte, weisslich-graue Gebilde aus feinen Fäden, sind hauptsächlich an Eichenstämmen und -ästen zu finden. Besonders während ihrer Futtersuche, wenn sie sich in charakteristischer Prozessionswanderung fortbewegen, sollte man aufmerksam sein. Zwischen Juli und September schlüpfen schliesslich die unscheinbaren Nachtfalter.
Die eigentliche Gefahr: Brennhaare
Besonders gefährlich sind nicht die Raupen selbst, sondern ihre feinen Brennhaare. Zwischen April und Juni entwickeln die Raupen bis zu 700’000 dieser mikroskopisch kleinen Haare pro Tier.
Diese Brennhaare:
- sind extrem leicht
- brechen schnell ab
- werden durch Wind über weite Strecken verteilt.
Ein Kontakt mit den Brennhaaren kann schwerwiegende Folgen haben, insbesondere für neugierige Hunde, die an den Raupen schnüffeln oder sie ablecken. Sie bleiben an Haut, Fell und Kleidung haften und enthalten das Gift Thaumetopoein, das starke allergische Reaktionen auslösen kann
Symptome bei Hunden
Auf der Haut (z. B. an den Pfoten oder der Nase):
- Starker Juckreiz
- Schwellungen
- Hautausschläge mit Bläschen, die sich entzünden können.
An den Augen:
- Entzündungen der Binde- oder Hornhaut
- Rötungen, Schmerzen und Juckreiz
In schweren Fällen müssen die Härchen operativ entfernt werden.
Im Maul und an der Zunge:
- Massive Schwellungen im Kopfbereich
- Verätzungen der Zunge
- Absterben von Zungengewebe
Beim Einatmen:
- Reizhusten
- Schleimiger Auswurf
- Schwellungen im Rachen
- Im schlimmsten Fall besteht Erstickungsgefahr
Was tun im Ernstfall?
Hier gilt: Keine Zeit verlieren!
- Bei Verdacht auf Kontakt sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen.
- Dort wird das Maul ausgespült und bei Bedarf eine Behandlung gegen einen allergischen Schock eingeleitet
- Nicht selbst reiben oder waschen, weder beim Hund noch bei sich selbst, da die Brennhaare sonst tiefer in die Haut eindringen können.
- Die Raupen oder Nester niemals anfassen!
Prävention im Alltag
Achte beim Spaziergang mit deinem Hund auf Eichenbestände und meide Gebiete, in denen ein Befall bekannt oder sichtbar ist. Bleibe auf den Wegen und halte deinen Hund angeleint, um direkten Kontakt mit den Raupen zu verhindern. Achte auf Hinweise der Gemeinde oder des kantonalen Forstdienstes.
Ganzjähriges Risiko
Leider verlieren die Härchen nichts von ihrem giftigen Potenzial. Ihre Toxizität bleibt über mehrere Jahre erhalten. Selbst verlassene Nester und alte Raupenhüllen enthalten Brennhaare sowie das Unterholz in der Umgebung befallener Eichen stellen eine potenzielle Gefahrenquelle dar. Es besteht somit das ganze Jahr über ein Risiko, auch ausserhalb der aktiven Raupensaison.
Informiere dich daher, ob es in deiner Gegend befallene Gebiete gibt, und meide diese grossräumig.
Welche Regionen in der Schweiz sind besonders betroffen?
In den letzten Jahren waren Regionen im Schweizer Mittelland, wie die Kantone Aargau, Zürich, Thurgau und St. Gallen, stärker betroffen als in der Vergangenheit. Auch in wärmeren Lagen, wie im Kanton Waadt oder im Tessin, kommen die Prozessionsspinner inzwischen häufiger vor. Durch milde Winter und trockene Frühjahre kann sich der Eichenprozessionsspinner regional besonders stark vermehren.
In tiefer gelegenen, wärmeren Regionen wie dem Rheintal oder Teilen des Mittellands beginnt die Raupensaison oft früher (bereits im April), während höher gelegene Gebiete etwas später betroffen sind. Besonders nach milden Wintern ist mit einer stärkeren Population zu rechnen.
Fazit
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Grund, aufmerksam zu sein besonders für Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer. Wer informiert ist und im Ernstfall schnell handelt, kann schlimme Folgen verhindern und Spaziergänge in der Natur weiterhin sicher geniessen.